Neuronales Netz

ent0n hat folgendes geschrieben: http://www.myogenic.de/forum/viewtopic.php?p=30770#30770

Interessantes Thema, bitte ausführen!

Eine Möglichkeit diese Eigenschaft des schnellen Adaptierens zu trainieren wird unter anderem durch Konfrontation mit Differenzen gesehen (Schöllhorn 2000). Analog zu Eigenschaften von neuronalen Netzen wird davon ausgegangen (Miglioni 1995), dass durch die Konfrontation mit Differenzen bei Bewegungen die Fähigkeit zum Interpolieren zwischen den beiden angebotenen Reizen trainiert und verbessert wird. Es wird also weniger eine fiktive „Idealbewegung“ trainiert als vielmehr der „Weg zum Ziel“, d.h. der spontane Anpassungsvorgang, die Kunst auf Neues (auch nach der 10000sten Bewegungswiederholung) möglichst schnell und adäquat zu reagieren. Hieraus lässt sich ableiten, dass,

  • ständiges Wiederholen der selben Übung aufgrund der hohen Ähnlichkeit der Bewegungsausführung zwar im Sinne von Programmtheorien bestimmte Bewegungsprogramme einschleift, aufgrund der zu geringen Differenzen jedoch die Anpassungsfähigkeit an die nächsten Bewegungsbedingungen vernachlässigt werden;
  • durch ständige Konfrontation der SchülerInnen bzw. AthletenInnen mit Differenzen der kurzfristige Adaptationsprozess geschult wird.

So funktionieren neuronale Netze und damit unser Gehirn aber nicht. Neuronale Netze kann man nicht auf kurzfristige Adaptationsprozesse schulen. Das Ergebnis wäre, dass die Ausgabe selbst nach langem Lernen nie "gut" werden könnte.

Im Gegenteil trainiert man neuronale Netze mit ausgewählten Eingaben, welche sich möglichst gleichverteilt über den kompletten, in der späteren Praxis vorkommenden, Eingaberaum erstrecken. Ist ein gewisser Trainingsstand erreicht, haben die Netze dann eine wunderbare Eigenschaft: Sie sind in der Lage von den Trainingseingaben zu abstrahieren und zwar von ganz allein. Das heisst auch Fälle, welche einzeln gar nicht speziell trainiert wurden, können optimal behandelt werden (wenn sie im Eingabeaum liegen, welcher zum Training verwendet wurde).

Im übrigen ist Lernen ein langsamer Prozess auf den das Sprichwort "Steter Tropfen höhlt den Stein" genau zutrifft. Die Lernkonstante, welche die Geschwindigkeit angibt, mit der ein Netz lernen kann, ist beim Menschen vorallem vom Alter abhängig (sie verringert sich) und kann nicht durch Training vergrößert werden. Alles andere wäre tödlich, zumindest würde es zuverlässig verhindern, dass wir in beliebigen Dingen wirklich gut werden könnten.

Wenn jemand im Alter besonders schnell zu lernen scheint, ist das nicht wirkliches Lernen im Sinne der Anpassung eines neuronalen Netzes/des Hirns, sonder schlicht viel Erfahrung, welche mittels Abstraktion auf neue Probleme übertragen werden kann.

Diese Methode differenziellen Lernen widerspricht damit aus meiner Sicht allem, was man heute über Lernen in neuronalen Netzen weiss. Vielleicht will der Autor aber auch nur darauf hinaus, dass viele Traingsbeispiele aus dem Eingaberaum benutzt werden sollten (Die mags beim Volleyball sicher geben, beim bizepscurl eher nicht). Das wäre richtig, in dem Fall drückt er sich aber mehr als unglücklich aus und dies würde keinesfalls für Good Mornings zum Training des Kreuzhebens sprechen. (Es mag nat. andere Gründe geben, welche dafür sprechen)

 
physio/neuronales-netz.txt · Zuletzt geändert: 19.12.2007 14:14 von harry
 
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