Ambitionierte Athleten, seien es Kraftsportler oder Ausdauerathleten, haben ein erhöhtes Risiko für Zahnerkrankungen und Zahnverlust. Gleichzeitig fehlt das Bewusstsein für dieses erhöhtes Risiko. Die hauptsächlichen Faktoren sind:
Die meisten Zahnerkrankungen werden durch Bakterien verursacht, die sich als Plaque an den Zahnoberflächen ansiedeln. Abgesehen von bakteriellem Befall sind Zähne allerdings äußerst stabil gegenüber mechanischen Einflüssen. Sie lassen sich also in der Regel nicht durch kaubedingte Abnutzung beschädigen, ausser beim sogenannten Bruxismus, dem zu häufigen und langen Knirschen der Zähne aufeinander (häufig unbemerkt in der Nacht). Zähne sind außerdem nicht auf einen gemeinsamen Stoffwechsel mit dem Rest des Körpers angewiesen. Systemische Erkrankungen oder Mangelernährung können die Substanz eines ausgebildeten Zahns deshalb nicht direkt angreifen. Selbst ein altersbedingter Abbau des Kieferknochens ist fast nie die Ursache für Zahnverlust, da Zähne durch die Kaubelastung bei fester Nahrung ihren Halteapparat gesund halten.
Mit Ausnahme bakterieller Einflüsse hat das menschliche Gebiss also die besten Voraussetzungen, ein Leben lang gesund zu bleiben. Den folgenden Erkrankungen, allesamt mit bakterieller Ätiologie, muss dafür allerdings vorgebeugt werden.
Karies, auch Zahnfäule genannt, ist die Bezeichnung für eine chemische Beschädigung der Zahnhartsubstanzen durch säureproduzierende Bakterien. Diese aggressiven Säuren zerstören den Zahnschmelz und das Dentin. Karies äußert sich im Anfangsstadium als weiße Verfärbungen (sogenannte White Spots), die auf eine Entkalkung der oberflächlichen Schmelzschicht schließen lassen. Diese Entkalkungen lassen sich meist durch geeignete Zahnpflege, Fluoridierung und zahngesunde Ernährung (wenige kurzkettige Zucker!) remineralisieren und somit heilen.
Bleibt die Initialkaries unbehandelt, kommt es zum Durchbruch des Zahnschmelzes und zum Übertritt der Karies ins Dentin. Da das Dentin erheblich weicher ist als der Zahnschmelz, schreitet die Karies in diesem Stadium schneller fort. Eine Entfernung der erkrankten Zahnsubstanz und anschließende Füllung wird ab diesem Zeitpunkt nötig.
Im Verlaufe kariöser Erkrankungen, durch undichte Zahnfüllungen oder als Folge zahnärztlicher Behandlungen finden Bakterien einen Weg ins Innere des Zahnes. Sie infizieren dort die Pulpa (Zahnmark), die von Blutgefäßen und Nerven durchzogen ist, und breiten sich schließlich durch die Wurzelkanäle in den Kieferknochen aus, wo die Infektion eine apikale Parodontitis verursacht. Unbehandelt führt eine Pulpitis meist zu starken Schmerzen und die Parodontitis zum Zahnverlust.
Klingt eine Pulpitis nicht von selbst ab, ist eine Wurzelkanalbehandlung die einzige Heilmethode (neben der Entfernung des befallenen Zahns). Dabei wird der Zahn geöffnet, das Zahnmark komplett entfernt und die Hohlräume aufgefüllt. Obwohl der Zahn nach einer derartigen Behandlung als "tot" bezeichnet wird, verbleibt er weiterhin fest im Kiefer und behält seine Kaufunktion uneingeschränkt.
Als Parodontitis (nicht Parodontose) bezeichnet man eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Zahnstein, schlechte Mundhygiene, Rauchen und Diabetes gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren. Einerseit sind es die Bakterien die eine Entzündung auslösen, andererseits ist es der Körper selbst der mit seiner Abwehrreaktion dem Infekt entgegensteht. Die Balance zwischen der Menge (Quantität) + Qualität (Aggressivität dieser Bakterien) und der Immunabwehr entscheidet ob es zu einem Fortschreiten oder einem Stillstand der Erkrankung kommt. Bakterien dringen entweder durch Zahnfleischtaschen oder im Verlauf einer Pulpitis durch die Wurzelkanäle in den Kieferknochen und verursachen einen Rückgang des Zahnfleisches und Knochengewebes. Unbehandelt führt jede Form der Parodontitis zu "wackeligen und langen Zähnen" und schlussendlich zum schrittweisen Zahnverlust.
Karies gilt als die häufigste nicht-ansteckende Krankheit beim Menschen. Dennoch gilt: Die Ursache all dieser Erkrankungen sind prinzipiell ansteckend, beispielsweise durch küssen oder kontaminiertes Geschirr und Besteck. Da es sich hierbei allerdings um ubiquitär verbreitete Bakterien handelt, die evolutionär hochgradig an den Menschen angepasst sind, ist es nahezu ausgeschlossen, sich mit einem kariogenen Stamm anzustecken, den man nicht ohnehin bereits im Mund trägt.
Trotzdem ist es nicht unbedenklich, Personen mit miserabler Mundhygiene zu küssen oder Besteck mit ihnen zu teilen – man erhöht dadurch die Anzahl der Bakterien im eigenen Mund.
All diese Krankheiten sind durch geeignete Maßnahmen vermeidbar. Dabei sind vor allem Ernährung und Zahnhygiene ausschlaggebend.
Die krankheitsverursachenden Bakterien ernähren sich von Kohlenhydraten. Niedrigmolekulare, kurzkettige Kohlenhydrate sind dabei für unsere mikrobiellen Parasiten am einfachsten verwertbar – die Glukose, die jeder ernsthafte Sportler als Teil der post-workout Nutrition zuführt, ist dabei am gefährlichsten. Saccharose, in grossen Mengen im Honig vorhanden, ist der "schlechteste Mehrfachzucker". Beliebt bei Eltern schlecht schlafender Kleinkinder, die ihren Sprösslingen durch in Honig getränkten Schnullern versuchen den Schlaf zu "versüssen", machen sich bei Zahnärzten sogleich unbeliebt. Grundsätzlich soll Zucker (vor allem in Getränken wie Cola etc) nicht periodisch über den Tag verteilt immer wieder eingenommen werden. Es gibt nichts Schlimmeres als 1-2l Süssgetränk "schluckweise", d.h. immer wieder ein kleiner Schluck, einzunehmen.
Die Anzahl der Mahlzeiten ist ein besonderes wichtiges Kriterium. Im Kraftsport ist es üblich, möglichst viele Mahlzeiten über den Tag zu verteilen. Dadurch fällt es zwar leichter, den hohen Kalorienbedarf zu decken, allerdings ist dieses Verhalten äußerst ungesund, da die bösartige Mundflora häufiger ernährt wird und Nahrungskohlenhydrate eine längere Einwirkzeit haben.
Meist wird diese Gewohnheit dadurch gerechtfertigt, dass eine kontinuierliche Versorgung des Körpers mit Proteinen und anderen Nährstoffen angestrebt wird. Dafür sind häufige Mahlzeiten allerdings nicht erforderlich. Der Mensch ist ein postprandiales Wesen. Die Nahrung wird durch den Verdauungstrakt mit stunden- oder sogar tagelanger Verzögerung resorbiert – anschließend sorgt die Leber als zentrale Steuereinheit des Stoffwechsels für eine adäquate Verteilung aller Nährstoffe. Selbst äußerst seltene Mahlzeiten stellen eine ständige, bedarfsgerechte Versorgung des Organismus sicher.
Auch kleine Zwischenmahlzeiten oder eine über längere Zeiträume verteilte Aufnahme von Snacks und zuckerhaltigen Getränken sind als ungesund einzustufen. Es ist ratsam, die Nahrungsaufnahme auf eine minimale Anzahl von Mahlzeiten zu konzentrieren und auch Proteingetränke, Supplements, etc. zu den Mahlzeiten zu konsumieren.
Ein weiterer Vorteil seltener Mahlzeiten ist die Regenerationszeit, die dem Zahnschmelz zwischenzeitlich eingeräumt wird. In diesen Zeiträumen kann eine Remineralisierung stattfinden, die Karies vorbeugt und Initialkaries rückgängig machen kann.
Nicht nur Säuren bakteriellen Ursprungs sind schädlich für die Zähne. Auch die meisten Süssgetränke (Cola/Red Bull etc), Säfte und viele Obstsorten enthalten Säuren, welche die Zahnsubstanz angreifen. Nach dem Verzehr der genannten Lebensmittel ist der Zahnschmelz aufgeweicht. Daher sollte man nach Säureexposition den Mund zur Neutralisation mit Wasser ausspülen. Mit dem Zähneputzen sollte ca eine halbe Stunde gewartet werden, da durch die Erweichung des Zahnschmelzes mehr Schmelz abgetragen wird (Abrasion). Bei empfindlichen Zähnen kann ein Glas Milch (Calcium fördert die Remineralisation) helfen, oder etwas Zahnpasta (Fluorid), ohne Druck und Reibung auf die Zähne verteilt werden.