Das Schultergelenk, per Definition ein Kugelgelenk, ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers – dementsprechend komplex ist auch sein Aufbau.
Das Schultergelenk besteht nicht nur aus einem, sondern aus fünf Gelenken. Das erste und wohl wichtigste Gelenk wird aus dem relativ großen Oberarmkopf (Caput humeri) und der relativ kleinen Gelenkspfanne (Glenoid) des Schulterblattes (Scapula) gebildet (Glenohumeralgelenk). Da diese Kombination bei den vorhandenen Größenverhältnissen äußerst instabil wäre, muss das Gelenk durch zusätzliche Stabilisatoren verstärkt werden. Im Inneren des Glenohumeralgelenks befindet sich deshalb im Bereich der Pfanne die sog. Gelenkslippe (Labrum glenoidale), welche die Gelenksfläche etwas erweitert. Diese ca. 3mm breite Pfannenlippe wird oben durch die Ursprungssehne des langen Bizepskopfes und unten des langen Trizepskopfes gesichert.
Das Gelenk selbst wird durch die Gelenkskapsel umfasst. Um die große Beweglichkeit der Schulter zu gewährleisten ist diese so schlaff, dass darin eigentlich zwei Oberarmköpfe Platz hätten. Doch auch die Kapsel muss verstärkt werden, um den hohen mechanischen Ansprüchen zu bestehen. Da wäre zum einen ein relativ starkes Band zu nennen, welches von einem Teil des Schulterdaches (Processus coracoideus) zum Oberarm (Humerus) zieht, das sog. Ligamentum coracohumerale. Weiters gibt es noch drei weitere, aber schwächere Kapselbänder (Ligg. glenohumerale superius, medium und inferius), deren genauen Verlauf ich Euch erspare. Der wichtigste und für uns interessanteste Stabilisator des Schultergelenks ist jedoch die Rotatorenmanschette, für dessen genaue Erläuterung ich auf die folgenden Abschnitte in diesem Artikel verweise.
Nun noch kurz zu den anderen Gelenken des Schultergürtels: Da wäre erstens das Sternoclavikulargelenk (Articulatio sternoclavicularis), eine Verbindung zwischen Brustbein (Sternum) und Schlüsselbein (Clavicula). Am anderen Ende des Schlüsselbeins befindet sich das sog. Schultereckgelenk (Articulatio acromioclavicularis, AC-Gelenk) zwischen dem Acromion und dem Schlüsselbein. Unechte Gelenke - für unsere Thematik jedoch nicht unbedeutend - sind das sog. subacromiale Nebengelenk zwischen Acromion und Glenohumeralgelenk sowie das scapulothorakale Gelenk zwischen Schulterblatt und hinterem Brustkorb, welches das Gleiten des Schulterblattes gegen den Thorax ermöglicht.
Die resultierende Kinematik des Gelenks durch die muskuläre und capsuloligamentäre Führung spielt eine wesentliche Rolle für die Funktion und Belastbarkeit der Schulter.1) Wie wir sehen handelt es sich bei der Schulter um ein äußerst fein abgestimmtes System aus Stabilität und Mobilität.
Die Rotatorenmanschette besteht aus dem M. subscapularis, M. supraspinatus, M. infraspinatus und M. teres minor. Diese bilden zusammen eine Sehnenplatte, die den Oberarmkopf in der Gelenkspfanne zentriert und ist - wie oben bereits erwähnt - der wichtigste Stabilisator im Schultergelenk. Für das funktionelle Verständnis einer muskulären Dysbalance ist die Kenntnis um die Hauptfunktionen dieser Muskeln essentiell:
Die Schwächste Stelle der Manschette ist unten, zwischen M. teres minor und M. subscapularis. Weitere Innenrotatoren sind der M. pectoralis major, der M. latissimus dorsi oder die Pars clavicularis des M. deltoideus.
Da das Schulterblatt mit dem Oberarmkopf das Schultergelenk bildet, spielte es logischweise eine wesentliche Rolle in der Zentralisation des Oberarms im Glenoid. Aus diesem Grund ist auch die muskuläre Führung des Schulterblattes am Burstkorb essentiell, welche durch den M. serratus anterior, die Mm. rhomboidei, dem M. levator scapulua und M. trapezius gewährleistet wird.2) Diese Muskeln sorgen bei Überkopf- bzw. Druckbewegungen für genügend Abstand im Subacromialraum (Raum zwischen Schulterdach und Gelenk), indem sie rotierend und elevierend auf das Schulterblatt wirken.3)
In Bezug auf die Gelenksstabilität kaum, aber im Hinblick auf eventuelle Schulterschmerzen umso wichtiger sind die Schleimbeutel (Bursae) der Schulterregion. Schleimbeutel sind mit geringen Mengen von Gleitflüssigkeit gefüllte "Kissen" mit der Aufgabe, Druck- und Reibebelastungen zwischen mechanisch besonders beanspruchten Strukturen zu reduzieren. Die wichtigste Bursa im Bereich der Schulter ist die Bursa subacromialis, sie liegt zwischen Schulterdach und Rotatorenmanschette. Daneben gibt es noch eine Reihe weitere Bursae, auf die ich jedoch nicht weiter eingehen werde.